Warten
Unser Leben - die Hälfte davon verschlafen wir und einen großen Teil davon verwarten wir.
Bereits vor unserer Geburt warten wir, die Familie und Freunde darauf, dass wir das Licht der Welt erblicken ...
Man wartet auf die ersten Zähne, die ersten Schritte, den ersten Schultag, das Ende der Schulzeit, die Lehrausbildung, Antwort auf Bewerbungen, eine feste Arbeitsstelle.
Endlich geschafft, beginnt ein neuer Tag damit, dass wir morgens aufwachen und auf das Klingeln des Weckers warten und dass das Badezimmer frei wird, dass das aus der Leitung fließende Wasser heiß wird. Unterschwellig wartet man darauf richtig wach zu werden, dass die lahmen Glieder in Schwung kommen.
Die nächste "Wartehalle" ist die Küche. Wann wird der Kaffee durch die Maschine gelaufen sein? Wann das Frühstücksei fertig gekocht sein und nicht mehr die Finger verbrennen beim Schälen? Und der Toast bummelt heute auch mal wieder, ist zu blass. Also nochmal einlegen und warten ...
Auf dem Weg zur Arbeit wartet man an der Ampel auf Grün, an der Haltestelle auf den Bus, in der wartenden Schlange um einsteigen zu können, wartet darauf, dass ein Sitzplatz frei wird.
In der Firma lässt einen der Fahrstuhl warten. Endlich im Büro wartet man darauf, dass am anderen Ende jemand den Hörer abnimmt, weil man noch auf eine Antwort gewartet hatte vom Vertragspartner.
Schnell nochmal die Datei mit dem Protokoll angeschaut - wenn endlich der PC hochgefahren ist. Der Drucker braucht auch so seine Zeit bis man ihm den Ausdruck entnehmen kann und der Kunde lässt ebenfalls auf sich warten.
Man wartet auf den Support, auf eine Gehaltserhöhung, auf die Mittagspause. Endlich ist sie da und schon wird sie verkürzt durch die Warteschlange in der Kantine, an der Kasse und wenn man glaubte, durch die Warterei wäre das Essen etwas ausgekühlt - weit gefehlt! Auch hier heißt es wieder warten, um sich nicht den Mund zu verbrennen, was allerdings auch ohne Essen passieren kann.
Am Kiosk wartet man darauf bedient zu werden, auf sein Rückgabegeld.
Gern wartet man auch auf den Feierabend. Weniger gern im Wartezimmer des Arztes um seine Wehwehchen begutachten zu lassen, auf sein Rezept, auf die geplante Blutabnahme.
Man wartet auf sein Date, auf den ersten Kuss, auf die beste Gelegenheit, wartet auf den ersten Anruf danach.
Wir warten auf unser Gehalt, auf den Sommer, auf schönes Wetter oder Regen für den Garten, auf einen Gewinn, auf einen glücklichen Zufall, darauf, dass sich Probleme von selbst erledigen, auf die Rente, ja selbst auf den Tod warten wir.
Und nicht zuletzt verlangt auch noch die Stimme am Telefon:
>Bitte warten Sie ...<
Hast Du erwartet, dass wir unser Leben so sehr verwarten?
Aber warte mal ...
... nein, ein Scherz.
Hier brauchst Du nicht zu warten.
Worauf also wartest Du noch?
Hopp, hopp, zum nächsten Beitrag!
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