Zusätzlich verfügbar    
PDF-File
    Verwandte Themen    
100% Liebe
Geschenktipps
Heiratsantrag
Liebesbeweis
Liebesrezept
Weihnachten

Überraschung

Wenn mich etwas stört, dann ändere ich es einfach. Und wenn es nicht zu ändern ist, lerne ich es zu akzeptieren.

Warum soll ich mich darüber aufregen, dass ein Socken auf dem Boden liegt? Wenn er mich stört, räume ich ihn einfach weg. Warum sollte ich mir Gedanken darüber machen, warum der Socken dort liegt? Warum den Verursacher suchen und ihn dazu bewegen ihn wegzuräumen, nur weil er mich stört? „HEY, WER HAT DEN SOCKEN HIER LIEGEN LASSEN?“

Sehr interessant erscheint die Frage erst, wenn man mit seiner Partnerin alleine zusammen lebt. Klar, die Frage ist natürlich rein rhetorisch und man erwartet eigentlich keine aussagekräftige Antwort darauf, aber was nun, wenn es aus dem Wohnzimmer zurückschallt: „Oh, der ist von Heinz. Den muss er vergessen haben. Legst Du ihn mir bitte zu den Sachen die die anderen Liebhaber vergessen haben? Danke!“

Nein, der Socken ist natürlich nicht von Heinz, aber die Antwort wäre eine gute Möglichkeit gewesen, den Fragenden darauf aufmerksam zu machen, dass er den Socken längst hätte wegräumen können, anstatt seine Zeit mit unnötigen Fragen und Recherchen zu verschwenden. Doch womöglich würde er noch ins Wohnzimmer kommen und sich vor der Couch aufbauen, die Hände in die Hüften stemmen und vorwurfsvoll die Entfernung des Sockens verlangen. „LOS, räum den SOFORT da weg! Der gehört in den Wäschekorb und nicht im Flur auf den Boden!“ Nein, das würde doch niemand machen. Das ist ja auch völlig unlogisch. Der Fragende weiß bereits wo der Socken sich im Moment befindet und weiß sogar schon, wo er eigentlich hingehört. Neee, da würde doch keiner ins andere Zimmer gehen und diese Erkenntnis an jemand anderen weitergeben. Das wäre ja völlig weltfremd. Da könnte man ja auch gleich erwarten, dass die Beschuldigte von der Couch aufspringt, in den Flur läuft und den Socken mit aller Sorgfalt in den Wäschekorb legt. Also, nein, wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen, wie Herr Schröder so schön formuliert hat, so etwas gibt es doch gar nicht.

Oder doch?

Bei uns lief es jedenfalls „normal“ ab. Wenn einen von uns etwas gestört hat, hat er es geändert. Kein Gedanke dran verschwendet warum das so ist, wann er/sie es wo und warum gemacht hat. So verlief das Alltagsleben und Haushalt sehr harmonisch. Es gab deswegen keine Missstimmung, keinen Stress und keinen Streit. Wir hatten Zeit uns auf das zu konzentrieren, was das Leben so schön und die Liebe so wundervoll macht: Auf uns und alles was uns Spaß machte!

Sie konzentrierte sich auf ihre Karriere. Dabei unterstützte ich sie soweit ich konnte. Doch mit zunehmenden Erfolgen im Job, nahm die gemeinsame Zeit immer weiter ab. Unnötig zu erwähnen, dass ein ausgiebiger Streit über einen Socken die wenige Zeit nur noch negativ belastet hätte, aber so etwas kam eh nicht vor.

Die Liebe zwischen uns wuchs, je länger wir zusammen waren. Jeden Tag lernte ich neue Dinge an ihr lieben und schätzen. Um etwas mehr Zeit in Gemeinsamkeit zu verbringen, war klar, dass wir dem Alltag einige Zeit entfliehen müssen. Also organisierte ich immer wieder kleine Überraschungen. Natürlich legten wir zwischendurch immer wieder einmal Kino- und/oder Restaurantbesuche ein, aber wenn man nur noch wenig Zeit miteinander verbringt, reicht das nicht mehr aus. Sicher, es war schön, dass ich ihr auch nach Jahren noch jeden Tag ein Lächeln entlocken konnte, freute mich an jeder Unterhaltung und gierte nach zärtlichen Stunden mit ihr.

Ich hatte das Gefühl, dass es Zeit für einen längeren Urlaub war. Paris, Disneypark war doch genau das Richtige. Die Planung machte riesigen Spaß. Schließlich sollte sie ja noch nichts davon wissen und erst an dem Tag, an dem es losgehen soll, würde ich sagen: „Überraschung, wir fahren jetzt in Urlaub“. Also entlockte ich ihr zunächst die Daten für eine mögliche Urlaubszeit, kümmerte mich darum, dass die Katzen versorgt werden, Flug und Hotel buchen und alles was nötig ist, um einen ungestörten, erholsamen Urlaub mit ihr verbringen zu können. Wir haben schon oft darüber gesprochen, dass wir gerne einmal nach Paris ins den Disneypark wollten. Und endlich war es soweit. Freudestrahlend stand ich vor ihr und sagte: „Überraschung, wir fliegen nach Paris!“ Der Blick in ihre Augen war mehr wert als das immer wieder so gern zitierte Kinderlachen.

Natürlich hätte ich einfach mit ihr zusammen den Urlaub planen können, aber das hätte uns ja wieder viele Stunden gemeinsamer Zeit gekostet. Außerdem macht es ungeheuren Spaß alles zu organisieren und alles zu planen.

Wir hatten eine wundervolle Zeit und genossen jeden Tag in vollen Zügen. Wir waren so begeistert, dass wir uns vornahmen eines Tages auch das Disneyland in Florida besuchen zu gehen.

Abgesehen von vielen kleinen „Überraschungen“, wie z.B. Blumen oder Kuchen ins Büro schicken, stand ich ein Jahr später wieder vor ihr. „Überraschung, wir fliegen nach La Palma!“

Es folgten noch viele dieser Überraschungen, wie, z.B. Fuerteventura, Wien mit Besuch der Hofreitschule, Amsterdam und einige Städtereisen und Kurz-Trips an langen Wochenenden.

Am Valentinstag habe ich ihr Blumen ins Büro geschickt. Dann habe ich eine Liebeserklärung auf CD aufgenommen, bin zu ihr ins Büro gefahren, um die CD ins Autoradio einzulegen, die dann startet, wenn sie losfährt. Die Liebeserklärung war genauso lang, wie der Weg, den sie bis nach Hause brauchte. Dort wartete ich dann schon mit einem Candlelight-Dinner auf sie. Zum Schluss wartete dann ein Rosenblütenbad auf uns.

Es folgten noch viele Überraschungen, wie z. B. ein Besuch des Musicals Dirty Dancing, ein Abend im Spielcasino in Baden-Baden, Besuche in div. Freizeitparks, Picknick, viele romantische Essen in diversen lauschigen Restaurants, selbst organisierte Adventskalender und und und ...

Ein Jahr darauf: „Überraschung, wir fliegen nach Florida, Disneyworld!“ Die Planung hierfür war wirklich sehr schwierig. Dafür war der Aufenthalt dort einer der Schönsten.

Ich holte sie donnerstagabends von der Arbeit ab und fuhr mit ihr nach Hause. Dort mussten wir dann packen. Klar, sie wusste, dass es wieder eine Überraschung gab, konnte aber nicht erraten wohin es geht. Da wir aber fast 3 Wochen unterwegs waren, war es vernünftiger, dass wir unsere Sachen zusammen packen. Ihre Bemerkungen wie z. B.: „Ich gehe davon aus, dass die Tiere versorgt werden?“ und „Es kümmert sich auch jemand um das Pferd?“ oder auch „Mein Chef weiß Bescheid und ich habe Urlaub?“ – erfüllten mich etwas mit Stolz. Sie musste sich keine Gedanken um die ganzen Alltagsfragen machen, die unsere Freude auf den Urlaub nur schmälern würden. Ich konnte jede Frage mit „Yep“, beantworten und ihre Freude auf das Unbekannte stieg immer weiter.

Auf der Fahrt zum Flughafen erzählte ich ihr dann, um was und wohin es geht. Ihre Freude ließ mein Herz richtig aufblühen. Wir flogen nach Orlando mit Zwischenstopp in Atlanta und von da aus mit einer weißen Limousine nach Disneyland. Nein, es war keine Stretchlimo, es war eine normale weiße Limousine, ein Lincoln mit sehr viel Platz und sehr bequem.

Nach einer Stunde Fahrt kamen wir auf dem Highway durch eine Art Mautstation, die darauf aufmerksam machte, dass man nun Disneyland betrat. Und plötzlich war alles wie im Märchen. Hier merkte man keinem Haus, keinem Fahrzeug, keinem Kostüm und keinem Grashalm an, dass es schon 20 Jahre alt war. Alles sah aus wie am ersten Tag. Es gab keinen Angestellten, der nicht dem Thema seiner Umgebung gekleidet war, selbst die disneyeigene Feuerwehr und Polizei war der Themenepoche entsprechend gekleidet. Es war einfach gigantisch.

Jeder Wunsch wurde uns von den Augen abgelesen, Service und Kundenzufriedenheit wurde dort sehr groß geschrieben. Wir konnten uns jeden Tag aussuchen, ob wir mit einem Bus, einem Schiff, einer Limousine, einem Leihwagen, zu Fuß, oder mit der Magnetschwebebahn in eines der Themenparks fahren wollten. Warten mussten wir nur ganz selten einmal. Wir fühlten uns wie in einem Traum. Den Sonnenuntergang genossen wir am Strand in einer 2-Personen-Hängematte mit einem Cocktail.

Jeden Abend gab es ein riesiges Feuerwerk, das vor allem bei einem Spaziergang auf dem Boardwalk sehr gut kam. Alle Räume waren klimatisiert und sogar vor den Gebäuden in den Themenparks, wo sich Warteschlangen bilden könnten, war es klimatisiert.

In der letzten Woche besuchten wir noch Downtown, Waterworld und machten eine Fahrt im legendären Yellow-Cap. Gut gebräunt, entspannt und sehr gut erholt kamen wir dann zurück.

Davon zehrten wir noch nach vielen Monaten.

Der Heiratsantrag war dann die letzte Überraschung, die ich geplant hatte. Aber das war ja eine Überraschung für uns beide gewesen ...