Nichtraucher

Heute habe ich beschlossen mit dem rauchen aufzuhören.
Gründe dafür gibt es ja genug, aber der wesentliche Grund dafür ist: Ich will einfach nicht mehr rauchen! Es ist wirklich völlig egal, welches Argument den Suchtschalter im Gehirn umlegt, Hauptsache es macht klick.
Die Entscheidung fiel leicht, nachdem ja genug Institutionen mit allen möglichen Nichtraucherkampagnen reichlich Argumente liefern.
Und nebenbei kostet es schon fast ein kleines Vermögen jeden Tag eine Schachtel in Rauch aufzulösen.
Ich habe nichts verändert. Die Aschenbecher stehen immer noch an ihrem Platz, auf dem Schreibtisch und auf dem Wohnzimmertisch liegen noch immer Zigaretten und Feuerzeug.
Optisch kann man hier nicht im Geringsten auf meinen Entschluss schließen.
Vorsorglich kaufe ich noch haufenweise Bonbons und Kaugummi ein.
Ein Tag danach
Irgendwie hatte ich es mir schlimmer und besser vorgestellt.
Schlimmer die Sucht und besser die Auswirkungen auf den Körper.
Mich störte ungemein der Geruch von kalter Asche im Raum. Ich hätte vermutet, dass mich so etwas wieder zu rauchen anfangen lassen würde. Aber nein, es war schon fast ekelig. Also räumte ich Aschenbecher und Zigaretten endgültig weg.
Auswirkungen auf den Körper sind nicht zu spüren.
Ich fühle mich etwas schwindelig, das war es aber auch schon.
Morgens war ich immer noch so verschlafen wie immer, der Geschmacks-, und Geruchssinn war wie immer.
Witzig finde ich den Griff an die Stelle, wo bisher immer die Schachtel Zigaretten lag, wenn ich eine kurze Pause mache.
Da habe ich erst bemerkt, wie viel ich wegen der Pause und nicht aufgrund des Nikotinmangels geraucht habe.
In diesen Momenten reichte der Griff in den Teller mit den Bonbons, der nun an dieser Stelle steht.
Bonbon rein und nicht weiter drüber nachdenken.
Länger als 2 Sätze darüber nachgedacht führt wieder zur Sucht zurück.
Eine Woche danach
Wegen der Angst, dass ich jetzt Bonbon-süchtig werden könnte, habe ich den Süssigkeitenkonsum wieder etwas eingeschränkt.
Ansonsten habe ich alle Bedenken, die gegen den Entzug sprechen könnten hinten angestellt.
Es ist nicht wichtig, ob mein Körpergewicht steigt, ob ich öfter Hunger habe, Alkohol nicht mehr so gut vertrage, und, und, und..
Jetzt ist erst einmal wichtig die Raucher-Sucht zu überwinden, danach können wir uns mit den anderen Auswirkungen beschäftigen.
Geschmacks-, und Geruchssinn sind inzwischen sehr intensiv geworden.
Der Schlaf ist unregelmäßig, unruhig und ständig unterbrochen.
Damit wir uns gleich richtig verstehen, schlechter und mangelnder Schlaf ist KEIN Grund mit dem Rauchen wieder anzufangen.
Außerdem kann das ebenso gut am Wetter liegen. Selbst in der Nacht ist hier eine Mörderhitze.
Ein Monat danach
Nach rund 4 Wochen als Nichtraucher stelle ich fest, dass es tatsächliche leichter ist, als ich gedacht hatte.
Es gibt immer noch keinen Grund zu rauchen, aber 100 Gründe es nicht zu tun.
Die körperlichen Veränderungen werden nun deutlicher.
Morgens habe ich nun plötzlich Hunger, wo ich vor 4 Wochen noch eine geraucht hätte.
Geschmack und Geruch sind sehr intensiv geworden.
Ich weiß nun endlich wie viele verschiedene Sorten Kaugummi und Bonbons es gibt. Die Sorte VanilleBrocken sind des Nichtrauchers bester Freund. Damit lässt sich fast mühelos die erste Phase des Nichtrauchens überbrücken.
Für jede Schmacht-Attacke habe ich ein Schluck Wasser genommen und es im Mund belassen, solange der Schmacht andauerte, aber nicht weiter darüber nachgedacht.
An Gewicht habe ich noch nicht zugelegt. Jedenfalls weniger als 1 Kg.
Trotz allem halte ich mich z.B. während der Pausen in Raucherzonen auf, denn nach wie vor ist dort die Kommunikations-Zentrale. Probleme, weitere Arbeitsschritte, aber auch nur Geselligkeit und Spaß sind dort definitiv höher. Passives rauchen und der Geruch nach kalter Asche sind sehr unangenehm, aber ertragbar. Schließlich stand ich ja auch einmal auf der anderen Seite der Raucher-Linie.
Meiner Laune hat das ganze nicht im Geringsten geschadet, was für mich ein Hauptgrund gewesen wäre wieder anzufangen.
Vor einigen Tagen war ich auf einer Geburtstagsfeier.
Der harte Kern bestand aus 6 Rauchern und (mit mir) 2 Nichtrauchern.
Wir hatten viel Spaß, sehr viel gelacht und enorm viel geraucht.
Ich hatte auch viel Spaß, noch mehr gelacht und gar nicht geraucht.
Klingt wie ein Erfolg, ist aber normal und genau so sollte das auch sein. Ich möchte will und werde NICHTRAUCHEN zu keiner Besonderheit in meinem Leben machen.
Später sind wir noch zur Abkühlung an den Baggersee gefahren. Leider hatte ich meine Gitarre vergessen, sonst hätten wir noch am Lagerfeuer gesungen.
Auch hier hatte ich nicht im Geringsten das Bedürfnis zu rauchen und wir hatten eine Menge Spaß.
Am nächsten morgen löste sich dann für mich ein Mythos auf:
Einen dicken Kopf bekommt man NICHT, wenn man am Abend zuvor zuviel raucht – ne, wenn man zuviel trinkt.
Für mich besonders schwer, da ich nur zwei bis dreimal im Jahr etwas trinke und eh schon nix vertrage.
Sodele und nu muss ich kurz die Türrahmen verbreitern, damit ich überall durchkomme.
Oje, Aspirin, ick liebe dir.
Wieder Raucher
Ich rauche wieder.
Gründe und Ursachen behalte ich für mich, um niemanden zu verleiten ebenfalls wieder damit anzufangen. Aber hier noch eine gute Nachricht: Es lag NICHT an der Sucht. Diese war nach 6 Monaten schon nicht mehr spürbar.
Ich bin allerdings sicher, dass ich bald wieder damit aufhören werde.
Deshalb für alle, die auch aufgehört haben:
Ich bin stolz auf Euch. Bleibt dabei. Solltest Du das Gefühl haben, dass Du es nicht schaffst und kurz vor einem Rückfall stehst, schreibe mir eine Mail, oder schreibe ins Forum. Du bist damit nicht allein.
Und für alle, die wieder angefangen haben:
Beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Warte noch eine Woche und versuche es erneut!
Und für diejenigen, die aufhören möchten: Hör einfach mal eine Woche auf. Nur so zum Spaß. Lass alles wie es ist, behalte Ziegaretten und Aschenbecher, sag es niemandem und höre einfach nur mal eine Woche auf.
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