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Moral

Wofür brauchen wir Moral? Ist es das, was uns von den Tieren unterscheidet? Sicher, das auch, aber im Wesentlichen hält sie unsere Zivilisation zusammen. Ja, in der Tat, es ist (noch) nicht das Geld, sondern die Moral.

Natürlich sieht jeder, dass die Moral nach und nach von Geldgier abgelöst wird, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Die Moral ist eine der wenigen Eigenschaften, die wir nicht einfach von anderen übernehmen. Wird uns von einem Politiker vorgelebt, dass er ohne Konsequenzen vorsätzlich lügt, machen wir und dies sehr schnell zu eigen und verweisen auf unser vermeidliches Vorbild, wenn wir ertappt werden.

Entlässt ein Konzern einen Großteil seiner Belegschaft, obwohl es hohe Gewinne macht, übernehmen auch viele kleine Unternehmer diese Strategie und halten dabei an ihrem Vorbild fest.

Schulden wir dem Finanzamt Geld und müssen dadurch den Besuch eines Gerichtsvollziehers ertragen, gehen wir mit unseren Schuldnern nicht anders um.

Da wir wissen, dass die Industrie unsere Umwelt vergiftet, denken wir nicht weiter darüber nach, wenn wir unseren Müll aus dem Fenster werfen.

So lassen sich noch unzählige Beispiele aufzählen.

Aber wo bleibt denn die Moral?

Die vielen Beispiele zeigen nur einen Bruchteil der unmoralischen Vorbilder auf. Der Großteil ist bei seinen Entscheidungen noch nicht frei von Moral, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sehen kann. Moralische Entscheidungen machen sich nicht bemerkbar. Große Politiker, Industriebosse, Vorstände, Unternehmer, wer immer Entscheidungen zu treffen hat, fühlt sich zwischen Moral und Gier hin und her gerissen. Letztendlich trifft immer eine Person die letzte Entscheidung. Und von ihr ist es abhängig, ob er diese Entscheidung mit seinem Gewissen oder mit seinem Bankkonto gegenüber verantwortet hat.

Hier geht es nicht um die Moral, welche von Religion und Kirche gepredigt wird, nicht um die Moral, die wir vergebens im Gesetzbuch suchen, nicht um die Moral, die uns mehr nackte Haut zeigt, als es unser Kleinhirn vertragen kann. Wer dies glaubt, verwechselt Moral mit Schamgefühl – von dem jedoch einigen Menschen eine höhere Dosierung auch nicht schaden könnte.

Nein, es geht um die Moral, die uns ruhig schlafen lässt und andere Menschen nicht durch unser Tun schädigt.

Die Moral hält unser Gewissen auf trab, lässt uns Skrupel empfinden und lässt Mitleid und Rücksicht zu.

Wir müssen und nicht an denen orientieren, die ihre Moral behalten haben, es würde uns doch nicht gelingen dies zu erkennen.

Aber wir sollten damit aufhören uns an jede zu orientieren, die keine Moral mehr haben.