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Erfolg

Erfolg sollte man nicht nur auf den Beruf reduzieren.

Verfolgt man ein bestimmtes Ziel, ist die Summe der Erfolge auf diesem Weg bis zu 70 % geringer, als bei Menschen, die aus der Summe ihrer Erfolge ein Ziel definieren. Dies sollte einen aber nicht entmutigen weiter sein Ziel zu verfolgen. Schließlich kommt es immer auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse an. So kann sich z. B. ein zielorientierter Mensch nicht an einem Erfolg bei einem Gesellschaftsspiel erfreuen, wenn er daraus keinen Nutzen für sein Ziel erkennen kann.

Vom Millionär zum Tellerwäscher. Klingt komisch? Ist es auch. Aber dies kommt häufiger vor, als umgekehrt. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig, aber eines haben sie alle gemeinsam: Das Streben nach Erfolg über das Ziel hinaus oder kurz gesagt: Die GIER!

Ein zielorientierter Mensch ist selten mit einem Erfolg zufrieden. Ein Ziel zu erreichen bedeutet für ihn, sich sofort zwei neue Ziele zu setzen.

Würde man sich im Alltag seiner vielen kleinen Erfolge bewusst werden und sich daran erfreuen, könnte man nicht nur daraus ein neues Ziel definieren, es würde auch die eigene Zufriedenheit und somit die Lebensqualität steigern.

Wieviel Einsatz muss man geben, um Erfolg zu haben? Und was genau bedeutet es, Erfolg zu haben? Und wie bleibt man erfolgreich?

Reicht es, wenn man Erfolg im Beruf hat? Oder im Privatleben? Oder beim Sport?

Gibt man alles, um beruflich erfolgreich zu sein, erntet man dafür zwar Ansehen und Geld, hat aber keine Zeit dies in seiner Freizeit und seinem Familienleben zu genießen. Im Gegenteil, meist muss man für den beruflichen Erfolg langfristig dermaßen viel Zeit investieren, dass alles andere zu kurz kommt. Der effektive zeitliche Einsatz alleine zieht natürlich noch nicht den Erfolg nach sich, ist aber eine Grundvoraussetzung dafür.

Im Sport ist das nicht anders. Wer nicht bereit ist, jede freie Minute seinem Sport zu widmen, wird kaum Erfolg haben.

In der Freizeit ist es ähnlich. Geht man einem Hobby nach, opfert man diesem seine ganze freie Zeit. Würde man dies nicht machen, wäre es nur ein Zeitvertreib ohne Erfolgserlebnis.

Und was bleibt dafür alles auf der Strecke? Familienleben, Partnerschaft, Freundschaften und nicht zuletzt mitunter auch die eigene Gesundheit.

Während meiner Ausbildung in einem der größten Chemiekonzerne, konnte ich einen Förderpreis gewinnen, nachdem ich ein Verfahren zu entwickelt hatte, das der Firma mehr als 12 Mio. DM pro Jahr einsparte. Die Grundlage meiner Ausarbeitung war, dass damit keine Arbeitsplätze verlustig gingen. Das war ein großer Erfolg für mich. Ich hatte sehr viel Zeit in die Entwicklung gesteckt und mein soziales Umfeld dadurch sehr vernachlässigt.

Doch mein Erfolgserlebnis hielt nicht sehr lange an. Mein unmittelbarer Vorgesetzter verfeinerte mein Verfahren, rationalisierte dabei noch einige Arbeitsplätze weg, was weitere Einsparungen und ihm eine Gehaltserhöhung einbrachte.

Ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten brachte mir leider nur die Erkenntnis, dass man sehr skrupellos sein muss, um erfolgreich zu bleiben oder aber eigene Erfolge am besten auf Kosten anderer macht. Über ein Jahr versuchte ich in der Firma klarzumachen, dass seine Verfeinerung ja auf meiner Entwicklung aufbaute und ich nicht möchte, dass dabei Mitarbeiter Nachteile durch Arbeitsplatzeinsparungen bekommen.

Das Resultat war niederschmetternd: Die Geschäftsleitung sah das neue Verfahren als eigenständige Entwicklung meines Vorgesetzten an. Die Menschen, die ihre Arbeitsstelle verloren, sahen dies als Auswirkung meiner Entwicklung an. Erfolg hat also auch seine Schattenseiten.

Später, ich zog wegen eines neuen Jobs nach Frankfurt, konnte ich meinem dortigen Arbeitgeber durch intensiven Einsatz und der Entwicklung eines neuen Verfahrens ebenfalls zu einem höheren Gewinn verhelfen. Der Erfolg wurde zwar der gesamten Abteilung zugeschrieben, aber zumindest erhielt ich dadurch eine höhere Gehaltsstufe.
Dies gelang mir fast 9 Jahre lang mehr als 15 mal.

Innerhalb dieser Zeit wuchs mein Freundkreis ständig an, ohne dass ich viel dazu beigetragen hätte. In diesem neuen Freundeskreis lernte ich eine Frau kennen, die sehr schnell heiraten wollte. Im Nachhinein oder als Außenstehender betrachtet, hätte mir wohl jeder davon abgeraten, aber wenn man mittendrin steckt und nicht ein warnendes Wort von seinen Freunden hört, hat man keinen Zweifel daran, dass dies alles so seine Richtigkeit hat.

Nachdem nun klar war, dass keine weiteren Entwicklungen mehr von mir kommen würden, wurde das Arbeitsverhältnis seitens der Geschäftsleitung, sehr schnell beendet. Klar, mittlerweile verdiente ich fast doppelt soviel, wie der Abteilungsleiter, ich war der Firma zu teuer geworden, obwohl mein Gehalt nicht einmal 5 % der Summe entsprach, die der Betrieb durch meine Entwicklungen als Mehrgewinn zu verzeichnen hatte. Natürlich hätte ich auf Kosten einiger Arbeitsstellen noch weitere Verfahren entwickeln können, um so noch einige Jahre im Gespräch zu bleiben, aber diesen Weg lehnte ich, auf Grund meiner menschlichen Grundeinstellung, konsequent ab.

Der Verlust meiner Arbeitsstelle zog recht schnell die Scheidung nach sich und so besaß ich zwei Jahre später kein eigenes Möbelstück mehr, musste einen horrenden Unterhalt zahlen und bisherige Freunde waren von der Bildfläche verschwunden. Das hatte ich mir aber ganz anders vorgestellt.

Ich zog nach Karlsruhe und arbeitete dort über 10 Jahre lang für eine große Versicherung als Objektleiter in einem Büro- und Geschäftshaus. Auch hier verlief mein Leben ähnlich wie in Frankfurt. Mein Arbeitgeber erzielte durch meinen Einsatz und die Entwicklung neuer Verfahren, in dieser Zeit mehr Gewinn, als das Objekt zu dieser Zeit überhaupt wert war. Auch dies schlug sich in meinen Gehaltsabrechnungen nieder und lies abermals einen neuen Freundeskreis heranwachsen. Und wieder trat eine Frau in mein Leben, die ich nach kurzer Zeit heiratete.

Meine Erlebnisse in Frankfurt noch im Gedächtnis, suchte ich vergebens nach Anzeichen dafür, dass mir wieder das Gleiche passieren könnte. Ich musste bitter erfahren, dass die Anzeichen erst für einen selbst zu bemerken sind, wenn der Erfolg nachlässt, sich nicht hält.

Wie bereits in Frankfurt ließ mich auch die Versicherung spüren, dass der Gewinn nicht groß genug sein kann und weder Menschlichkeit noch eine Gegenrechnung dies aufwiegen könnte. Lange quälte mich die Frage, ob ich wirklich auf Kosten anderer Arbeitsplätze meinen Erfolg halten möchte und kam zu folgendem Ergebnis: Ich rationalisiere einen Arbeitsplatz weg und stelle die Person dann selber ein. Das bringt mir zwar nicht mehr Geld – im Gegenteil – aber es machte meinen Arbeitgeber zufrieden und niemand musste seinen Job verlieren.

Nachdem ich fünf Mitarbeiter eingestellt hatte, verdienten diese mehr als ich selbst. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Frau gemacht. Sie war nicht bereit ihren Lebensstandard zu ändern oder auf etwas zu verzichten. Nun musste ich mir überlegen, ob ich einen Arbeitsplatz für mein Privatleben wegrationalisiere. Ich brachte es nicht fertig. Wir lebten ja bereits im Luxus. Warum konnten wir diesen nicht einfach gemeinsam genießen, statt ständig etwas Neues zu kaufen und mehrmals im Jahr in dem Urlaub zu fahren?

Tja ... das sah meine Frau etwas anders und ich war erstaunt, was so eine Frau alles anstellen konnte, um entweder ihr Ziel zu erreichen, oder wenn das nicht geht, den Verursacher – in diesem Fall mich – fertig zu machen. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, um keine Anleitung für andere rachsüchtige Menschen zu liefern, aber was da alles geschah, lag jenseits meiner damaligen Vorstellungskraft. Dass sie mit ihren Aktivitäten nicht nur mir, sondern auch meinen Angestellten Schaden zufügte, interessiere sie nicht.

Und so verloren wir alle unseren Job, ich war wieder in Scheidung, musste wieder Unterhalt zahlen und stand wieder ohne Hausrat und Frau da.

So also fühlte sich Erfolg an. Je mehr Erfolg man hat, desto mehr Wege führen wieder nach unten ins Abseits.

Heute verschenke ich meine Ideen, Entwicklungen und Verfahren. Damit habe ich sehr viel Erfolg und kann diesen auch in vollen Zügen genießen. Von Zeit zu Zeit verdiene ich innerhalb von Projektarbeiten auch wieder Geld damit und bin zufrieden.

So bereitet Erfolg Freude. Man hat genügend Zeit seine sozialen Kontakte zu pflegen, stellt keine Konkurrenz dar und züchtet keine Neider heran. Man kann tatsächlich sein Leben genießen und muss nicht ständig wie besessen sein Ziel verfolgen.