Zusätzlich verfügbar    
Hörbuch
    Verwandte Themen    
Diät
Glücksfaktor
Nichtraucher
Rauchen
Schweinehund

Bauch weg

Der Bauch muss weg. Über 10 Jahre ohne Bewegung am Schreibtisch rumlümmeln, nur im äußersten Notfall mal die Treppe benutzen, ausschließlich den Weg von A nach B, hat seine Spuren in Form eines kugelrunden Bauches hinterlassen.

Nicht etwa, dass ich dick und fett wäre, keinesfalls, alle anderen Regionen des Körpers zeigen sich in normalen Proportionen, nur eben der Bauch ist da ein Außenseiter.

Aber was tun, ohne unnötig die so angenehme Bequemlichkeit einschränken zu müssen? Eine Diät? Auf KEINEN Fall, dafür esse ich viel zu gerne. Ok, das Naschen könnte ich einschränken, aber mehr auch nicht. Na gut, ein wenig mehr Obst und Gemüse vielleicht noch. Da gibt es einiges, was mir schmeckt und wenn es gesund ist und zur Problemlösung beiträgt, soll es mir recht sein.

Allerdings ist mir auch klar, dass der Bauch nicht einfach verschwindet, nur weil ich jetzt gesunde Dinge in mich hineinstopfe. Dadurch mag der Bauch gesünder sein, doch denkt er keineswegs daran, sich zu verdünnisieren.

Folglich muss ich für mehr Fettverbrennung sorgen. Sex ist da bestimmt die richtige Wahl. Oder nicht? Die Partnerin als SexHomeTrainer zu missbrauchen gefällt mir aber gar nicht. Ich würde es auch nicht mögen, wenn sie sagen würde: "Hey, Baby, ich habe wieder 2 Kg zugenommen, wir müssen den Intervall auf zweimal täglich erhöhen, das Vorspiel um 15 Minuten verlängern und die SexTrainigseinheit insgesammt auf 90 Minuten erhöhen." Und beim Akt müsste ich mir dann ständig anhören: "Na los, einen noch, ja, gib alles, noch einen, und noch einen, los, nimm das Hinterteil hoch, Du fauler Sack, Du schaffst es!" NEIN -- auf KEINEN Fall, so nicht!

Was bleibt? Im Fitnesscenter anmelden? Schon der Gedanke daran macht mir bewusst, dass dabei Geld, Zeit und ein großer Teil meiner Bequemlichkeit draufgehen würde.

Eigentlich brauche ich ja auch nur laufen. Trainingsanzug anziehen und los geht's. Boah, LAUFEN? Der bloße Gedanke daran lässt mich meinen Bauch wieder mögen.

Ein Hometrainer vielleicht? So ein Rad, das sich nicht von der Stelle bewegt? Würde passen. Auch ich mag mich ja nicht von der Stelle bewegen.
Ich könnte mich dann draufsetzen, wenn ich Lust zum Trampeln hätte und es beenden, wann immer mir danach ist. Na ja, also eher so 2 bis 3 Minuten täglich. Hm, ich weiß, auch das würde nix bringen.
Augenwischerei also wieder nur.

Sollte das Rad im Keller wieder fit gemacht werden und mich meinem Ziel näher bringen? 30 bis 60 Minuten täglich locker Radfahren sollte für den Anfang doch reichen. Auf dem Rückweg hole ich mir im Supermarkt noch etwas Obst und Gemüse. Klingt nicht schlecht, der Plan. Das ziehe ich jetzt erstmal vier Wochen durch und dann mal schauen, wieviel noch vom Bauch zu sehen ist. Vielleicht reichen ja doch auch schon 3 Wochen.
Backen wir also kleine Brötchen und beginnen mit 2 Wochen.

Es ist unglaublich was passiert, wenn man seinen inneren Schweinehund glaubt besiegt zu haben oder gerade besiegen will. Kaum hat der Körper begriffen, dass es ihm vielleicht bald besser gehen sollte nach der eben vorbereiteten ersten Trainingseinheit, protestiert das Gehirn in Form von unzähligen Gegenargumenten.

Nein, nein, nein, draußen ist schönes Wetter, frische Luft und schöne ebene Radwege. Jetzt ziehe ich das auch durch.

Natürlich benutze ich auch keinen Aufzug mehr. Ich meide einfach Häuser, die mehr als drei Etagen haben, einschließlich Erdgeschoss und Keller. :-)

Die beste Zeit für so ein Training wäre sicher morgens. Gemütlich noch einen Kaffee trinken, aber noch nichts essen, damit man nicht faul wird, ehe es los geht und der innere Schweinehund wieder quer treibt.

Nach 5 Minuten Radfahren macht sich bereits der Magen bemerkbar:
"HUNGER!" Das ist gut. Sehr gut sogar. Soll er sich doch an die Fettreserven halten, die den runden Bauch verursachen. Und genau das scheint er auch zu beherzigen. Nach 10 Minuten trollt sich das Hungergefühl so langsam. Dafür melden sich jetzt aber die Muskeln, von denen ich schon Jahre nichts mehr gehört habe. Waden, Oberschenkel, Hintern, sogar die Arme und Schultern ... Nach 20 Minuten habe ich mit ihnen ein Erbarmen und beschließe, dass es für den ersten Tag genug sei.

Der Anfang war gemacht. Ich hatte Bewegung, viel frische Luft in meine Lungen gepumpt, einige Muskeln wiederbelebt - das war doch schon was.
Man, was bin ich stolz auf mich! Das ziehe ich locker eine Woche durch.
Einfach nicht dran denken, damit der Kopf nicht wieder beginnt sich mit dem inneren Schweinehund zu verbünden und Gegenargumente zu sammeln.

Nach einer Woche nahm ich bewusst erste Veränderungen wahr. Ich fühlte mich beweglicher, war nicht mehr so oft müde, schlief besser und tiefer, war nicht mehr so oft außer Puste, sah auch irgendwie frischer aus. Ok, der Bauch war hartnäckig, hatte wohl seinen eigenen Kopf und ließ sich nicht so leicht vertreiben, noch nicht mal einen Millimeter - außer, wenn ich ihn einzog. Vielleicht ist ja alles auch nur ein Haltungsproblem?
"Körperhaltung ...", hörte ich den inneren Schweinehund murmeln. Einfach nicht auf ihn reagieren, ihn ignorieren, beschloss ich. Am Gewicht hatte sich bisher nichts verändert - aber ich fühlte mich sauwohl (ätsch, Schweinehund!).

Nach zwei Wochen -- nun war ich täglich bereits 60 Minuten unterwegs -- hatte ich 1 Kg an Gewicht und 1 cm Bauchumfang verloren. Kein Mensch, selbst ich nicht, konnte das sehen, aber das Maßband erwartete, dass ich ihm vertraute. 1 ganzer cm weniger! Im Büro wartete ich ständig darauf, dass jemand zu mir sagt: "Hey, hast Du abgenommen?". Na, vielleicht lenken andere Dinge ja von meinem Bauch ab. Oder fällt nur immer auf, was stört? Ist es nicht im Wohnzimmer z. B. auch so? Hast du den Tisch abgeräumt, sieht das keiner. Steht da das Frühstück noch rum, merkt das jeder.

Nach 4 Wochen war es dann soweit. 1,5 Kg und 2,5 cm weniger, verkündeten Waage und Maßband. Ich war begeistert! Mag ja sein, dass es NUR 2,5 cm waren, aber es hat funktioniert. Und darauf kam es an. Ich hatte das geschafft, ohne Geld für ein Fitnesscenter auszugeben, ohne mich durch eine Diät zu quälen, ohne mir beim Sex schreckliche Dinge anhören zu müssen. Ok, ich muss jeden Tag eine Stunde früher aufstehen, aber daran habe ich mich gewöhnt. Außerdem ist es herrlich morgens mit dem Rad in der frischen Luft unterwegs zu sein, zu beobachten, wie die Stadt erwacht, während andere noch in ihren kuschelig warmen Betten rumschluffen und selig träumten, wie sie ohne Kullerbauch aufwachen würden. Jedenfalls rede ich mir das immer ein. Und solange es funktioniert, glaube ich auch weiter daran.

Und wieder einmal stellte ich fest, dass nicht die Umwelt, andere Leute und auch nicht die Regierung immer dafür verantwortlich sind, wenn es einem selbst nicht so gut geht. Wie sagt doch eine Freundin gern und bei vielen Gelegenheiten? Die Entscheidung liegt bei dir! Und sie hat Recht.
Man muss einfach selbst etwas tun. In die Puschen kommen und handeln.

Und jetzt schnell noch hier fertig schreiben, bevor der innere Schweinehund aufweckt ...